Blokart auf Fanø: Wenn der Wind das Steuer übernimmt
Das erste Mal, als ich einen Blokart sah, dachte ich, irgendein Däne hätte seine Waschmaschine auf drei Räder montiert und ein Segel drübergestülpt. Das Gerät lag auf dem Sand wie ein vergessenes Objekt aus einer anderen Welt – flach, schmal, zierlich für etwas, das einen gleich vom Fleck reißen würde. Ich hatte keine Ahnung, was damit anzufangen sei. Zehn Minuten später saß ich drin und wusste es immer noch nicht genau.
Ein Blokart ist ein windgetriebener Dreiradkart. Kaum größer als eine Campingliege, leichter als man denkt, mit einem Segel, das man mit beiden Griffen trimmt. Man setzt sich hinein, streckt die Beine aus, und dann entscheidet der Wind. Das klingt entspannter als es ist. Bei ausreichend Brise – und auf Fanø gibt es fast immer ausreichend Brise – erreicht man schnell 30, 40 Kilometer pro Stunde. Auf Sand. Mit sehr wenig Metall zwischen dem eigenen Rücken und der Erde.
Das ist entweder befreiend oder erschreckend. Meistens beides gleichzeitig.
Warum hier und nicht woanders
Fanø ist einer der wenigen Orte in Nordeuropa, wo Blokarting überhaupt möglich ist. Der Weststrand ist 16 Kilometer lang, fast steinfrei und bei Niedrigwasser so breit, dass man das andere Ende kaum sieht. Kein Engpass, kein Hindernis. Dazu kommt der Wind von der Nordsee – kein Stadtwind, der sich zwischen Häusern verirrt, sondern echter Küstenwind, der weiß, wohin er will.
Man braucht kein Können. Eine halbe Stunde Einweisung, und man kommt halbwegs klar. Was man nicht steuern kann: den Punkt, an dem man aufhören möchte. Der kommt meistens viel später als geplant.
Was man wissen sollte
Kinder dürfen mitfahren – als Beifahrer schon früh, allein fahren ab etwa zwölf Jahren. Windstille Tage funktionieren nicht; dann liegt der Kart einfach da und schaut sich selbst an. Sand in allen Taschen ist keine Ausnahme, sondern Standard.
Der Verleih liegt südlich von Rindby Strand, auf dem Fanø Vesterland-Gelände. Öffnungszeiten und aktuelle Regelungen für den Strandbereich lohnt es, direkt auf der Website zu prüfen – das ändert sich gelegentlich, und man ist dann vor Ort informiert statt überrascht.
Was mich jedes Mal erstaunt: Man hört auf, an irgendetwas anderes zu denken. Der Wind, das Segel, die Geschwindigkeit – das nimmt den ganzen Kopf in Anspruch. Das ist der eigentliche Punkt, glaube ich. Nicht die Kilometer pro Stunde.
Praktische Infos
Wo: Fanø Vesterland, südlich von Rindby Strand – fanovesterland.dk
Saison: Etwa Mai bis September, bei ausreichend Wind
Kinder: Mitfahren als Beifahrer möglich, alleine ab ca. 12 Jahren
Für den Strand einplanen: Sonnenbrille und eine Jacke – es ist immer windiger als man denkt
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