
Strandsegeln auf Fanø: Wenn der Wind das Steuer übernimmt
Zehn Zentimeter über dem Sand, den Wind als Motor: Kaum etwas gehört so selbstverständlich zu Fanø wie die Strandsegler, die bei Westwind über den Strand von Rindby ziehen. Einsteigen, Schot in die Hand — und der breiteste Strand Dänemarks wird zur Rennbahn.
Ein Blokart ist ein windgetriebener Dreiradkart. Kaum größer als eine Campingliege, leichter als man denkt, mit einem Segel, das man mit beiden Griffen trimmt. Man setzt sich hinein, streckt die Beine aus, und dann entscheidet der Wind. Das klingt entspannter als es ist. Bei ausreichend Brise – und auf Fanø gibt es fast immer ausreichend Brise – erreicht man schnell 30, 40 Kilometer pro Stunde. Auf Sand. Mit sehr wenig Metall zwischen dem eigenen Rücken und der Erde.
Das ist entweder befreiend oder erschreckend. Meistens beides gleichzeitig.
Warum hier und nicht woanders
Fanø ist einer der wenigen Orte in Nordeuropa, wo Blokarting überhaupt möglich ist. Der Weststrand ist 16 Kilometer lang, steinfrei und so breit und insbesondere lang, dass man das andere Ende kaum sieht — ganz unabhängig von der Tide; ins Watt fährt hier niemand. Kein Engpass, kein Hindernis. Dazu kommt der Wind von der Nordsee – kein Stadtwind, der sich zwischen Häusern verirrt, sondern echter Küstenwind, der weiß, wohin er will.
Man braucht kein Können. Eine halbe Stunde Einweisung, und man kommt halbwegs klar. Was man nicht steuern kann: den Punkt, an dem man aufhören möchte. Der kommt meistens viel später als geplant.
Einfach heißt aber nicht harmlos: Umkippen gehört dazu. Meine Tochter hat es einmal erwischt — in einer Böe zu schnell in die Kurve, Kart auf der Seite, sie im Sand. Verletzt hat sie sich nicht, aber für den Tag war sie mit dem Ding durch. Der Schwerpunkt ist niedrig, die Fallhöhe gering, der Sand verzeiht viel — der Respekt vor Böen und Kurven fährt trotzdem besser gleich mit.
Strandsegler-Rennen fahren
Fahre das Strandsegler-Rennen direkt im Browser: Anfängerkurs am Rindby Strand, drei Runden gegen die Uhr und den Geist deiner Bestzeit – keine Installation, läuft auf Handy und Desktop.
Was man wissen sollte
Kinder dürfen mitfahren – als Beifahrer schon früh, allein fahren ab etwa zwölf Jahren. Windstille Tage funktionieren nicht; dann liegt der Kart einfach da und schaut sich selbst an. Sand in allen Taschen ist keine Ausnahme, sondern Standard.
Der Verleih liegt südlich von Rindby Strand, auf dem Fanø Vesterland-Gelände. Öffnungszeiten und aktuelle Regelungen für den Strandbereich lohnt es, direkt auf der Website zu prüfen – das ändert sich gelegentlich, und man ist dann vor Ort informiert statt überrascht.
Was mich jedes Mal erstaunt: Man hört auf, an irgendetwas anderes zu denken. Der Wind, das Segel, die Geschwindigkeit – das nimmt den ganzen Kopf in Anspruch. Das ist der eigentliche Punkt, glaube ich. Nicht die Kilometer pro Stunde.
Leihen: die Anbieter am Strand
Inzwischen gibt es zwei Anbieter auf der Insel. Club Fanø sitzt direkt an der Strandauffahrt in Rindby (Vertrag im Shop Rindby Strand, Kirkevejen 37) und nimmt 335 Kronen die Stunde — Einweisung und Sicherheitsausrüstung inklusive, Einzel- und Doppelsitzer zum selben Preis — kleine Kinder fahren im Doppelsitzer einfach mit. Fanø Blokart ist der größere Anbieter für Gruppen: Schulklassen, Teambuilding, Firmenausflüge.
Der Unterschied liegt zwischen Mitfahren und Selberfahren: Im Doppelsitzer sitzen Kinder schon früh mit im Wind, ein eigenes Kart steuern sie erst später. Als Jacob klein war, hatten wir einen Zweisitzer — er neben mir, lange bevor er alt genug für ein eigenes Kart war. So lernt man das Segeln nebenbei, als Beifahrer mit bestem Blick.
Kaufen: Marken und Preise
Blokart ist streng genommen eine Marke — erfunden hat das kompakte Faltkart Ende der Neunziger der Neuseeländer Paul Beckett, und seine Firma Blokart International baut es bis heute. Der generische Name ist Strandsegler. Wer eigenes Material will, schaut außer bei Blokart etwa bei Libre aus Deutschland (Relax, Beachrunner) oder Airtrack aus Frankreich. Gebraucht geht es ab etwa 1.200 Euro los, ein neues Komplett-Kart liegt je nach Segelgröße grob zwischen 2.500 und 3.500 Euro — und passt zusammengefaltet in den Kofferraum.
Wo man sonst in Dänemark fahren darf
Seit Ende Mai 2025 ist Strandsegeln in Dänemark auf acht ausgewiesenen Stränden erlaubt: auf Fanø am Strand von Rindby, auf Rømø am Lakolk-Strand und am Sønderstrand, am Vejers Strand und am Børsmose Strand — und oben in Nordjylland bei Blokhus, Saltum und Grønhøj. Als neuntes Gebiet kommt, für die Binnenländer, die stillgelegte Flyvestation Værløse bei Kopenhagen dazu. Rømøs Sønderstrand ist das Mekka mit eigenen Zonen für Strandsegler und Kitebuggys — dort ist der Strand am breitesten, und dort bin ich auch schon steckengeblieben. Auf Fanø ist der Sand fester.
Verboten, empört, wieder erlaubt
Beinahe wäre 2025 alles vorbei gewesen: Zum 1. März untersagte die Polizei windgetriebene Fahrzeuge auf den Stränden von Fanø und Rømø — Strandsegler galten nach der Straßenverkehrsordnung plötzlich als nicht zulassungsfähige Fahrzeuge, und der Strand zählt rechtlich als Straße. Der Aufschrei war beachtlich: stornierte Ferienhäuser, alarmierte Vermieter, ein Sport mit dreißig Jahren Inselgeschichte über Nacht illegal.
Es dauerte keine drei Monate. Ende Mai 2025 zog Transportminister Thomas Danielsen die Notbremse und erließ eine eigene Verordnung: Seit dem 27. Mai ist Strandsegeln auf den fünf genannten Stränden wieder erlaubt — mit Zustimmung des Grundeigentümers und klaren Regeln zu Windstärke, Tageszeiten, Bremsen und Lenkung. Die Pointe: Erst durch das Verbot hat der Sport zum ersten Mal eine ausdrückliche gesetzliche Grundlage bekommen. Vorher wurde er geduldet, jetzt ist er legal. Nachzulesen bei der Polizei Syd- og Sønderjylland und bei Mig og Esbjerg.
Praktische Infos
Wo: Fanø Vesterland, südlich von Rindby Strand – fanovesterland.dk
Saison: Etwa Mai bis September, bei ausreichend Wind
Kinder: Mitfahren als Beifahrer möglich, alleine ab ca. 12 Jahren
Für den Strand einplanen: Sonnenbrille und eine Jacke – es ist immer windiger als man denkt
Übrigens — wir vermieten ein Ferienhaus in Sønderho auf Fanø, falls du länger bleiben möchtest.
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