Fanø
Hunde in Fenster

Die Porzellanhunde von Sønderho

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In Sønderho wird man beim Spazierengehen beobachtet. Nicht von den Nachbarn, sondern von Hunden aus Porzellan.

Sie sitzen paarweise in den kleinen Sprossenfenstern der alten Skipperhäuser auf Fanø — weiß, mit goldenen Ketten — und schauen einen an, als hätten sie eindeutig den besseren Platz erwischt. Ich bin jahrelang an ihnen vorbeigelaufen und dachte: nette Dekoration. Falsch gedacht.

Was da eigentlich im Fenster sitzt

Die Hunde stammen aus England, die bekanntesten von ihnen aus Staffordshire. Daher auch der Name: Staffordshire Dogs. Fanøs Seeleute brachten sie im 18. und 19. Jahrhundert aus englischen Häfen mit nach Hause — als Geschenk für die Frau, neben chinesischem Porzellan, Stoffen und anderen Dingen aus fernen Ländern.

Man muss dazu wissen: Sønderho war damals rund hundert Jahre lang einer der bedeutendsten Seefahrtsorte an der dänischen Westküste. Die Kapitäne waren oft monatelang unterwegs. Die Häuser, die sie bauten, stehen noch. Und die Hunde sitzen noch immer in den Fenstern.

Eine Statusanzeige aus Porzellan

Die Hunde waren nämlich nicht nur Dekoration. Sie waren eine Art Statusanzeige.

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Schauten sie zur Straße, war der Mann auf See. Schauten sie ins Zimmer, war er zu Hause. Das ganze Dorf konnte den aktuellen Stand der Dinge ablesen, ohne auch nur anzuklopfen.

Und dann gibt es noch jene Vorgeschichte, die man sich auf der Insel mit einem Augenzwinkern erzählt — und die ausgerechnet die Fonden Gamle Sønderho besonders offen beschreibt: Im viktorianischen England standen solche Hunde auch in den Fenstern gewisser Etablissements. Der Blick zur Straße bedeutete: verfügbar. Der Blick nach innen: besetzt.

Die Seeleute kauften die Figuren dort als Souvenir. Zu Hause auf Fanø begann für die Statusanzeige dann eine ehrbare zweite Karriere: Aus demselben Signal wurde nun „Der Mann ist auf See“. Ob jede Kapitänsfrau die Vorgeschichte kannte, ist nicht überliefert. Vielleicht lag genau darin der Reiz.

Wo die Porzellanhunde heute sitzen

Am besten geht man einfach langsam durch Sønderho und achtet auf die Fenster. In vielen Häusern sitzen die Hunde noch heute — mal mit Blick zur Straße, mal ins Zimmer, gelegentlich auch einer in jede Richtung. Das ist entweder Unentschlossenheit oder ein erstaunlich moderner Beziehungsstatus.

Originale aus der Zeit der Seefahrt zeigt die Sammlung der Fonden Gamle Sønderho, unter anderem in Hannes Hus. Und wer selbst ein Paar sucht, kann auf den Flohmärkten der Insel Glück haben. Für zehn Kronen allerdings eher nicht. Die Hunde kennen ihren Wert.

Seit ich ihre Geschichte kenne, gehe ich anders durch Sønderho. Man grüßt die Hunde. Und ertappt sich dabei, an fremden Fenstern einen Status abzulesen, der dort seit hundert Jahren niemanden mehr etwas angeht.

Quelle zur Geschichte der Hunde: Fonden Gamle Sønderho — Antik. Die Stiftung bewahrt das historische Sønderho und betreibt unter anderem Hannes Hus und die Sønderho Mølle.

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