Um neun durften wir aufbauen. Um acht war ich noch klatschnass.
Die Radtour zum Bäcker war eine von der Sorte, bei der Fanø einem morgens kurz zeigt, wer hier das Wetter macht. Zum Aufbau an der alten Schule in Sønderho war es dann trocken, später kam sogar blauer Himmel. Um uns herum klappten Kofferräume auf, über allem hing der Dannebrog. Ganz am Ende wurde es windig. Aber Wind ist hier keine Wetterlage, sondern Grundausstattung.
Am selben Tag war außerdem Sønderho Dag. Das halbe Dorf auf den Beinen, dazu die Gäste. Es hätte schlechter laufen können.
Das wundervolle Porzellan
Wir haben das Sommerhaus von Janes Eltern gekauft. Man übernimmt dabei nicht nur ein Haus mit Geschichte, man übernimmt auch Schränke. Volle. Und in diesen Schränken: Jahrzehnte von Sommern:
Glasplatten in Fischform, Kelche in Rot und Blau, bernsteinfarbene Gläschen, ein bunter Rumtopf, alles sehr achtziger Jahre. Eine Marmorplatte. Und ein Fußsprudelbad und einen Wasserkocher.
Alles gepflegt, alles heil oder fast, auf jeden Fall noch gut, vieles voller Erinnerungen. Aber Geschmack wird nicht vererbt — nur das Geschirr.
Man hebt so etwas auf. Erst aus Liebe. Dann aus Gewohnheit. Dann, weil der Schrank ja zu ist.
Irgendwann macht man den Schrank auf.
Bücher, nach Sprachen sortiert
Dazu kamen Kisten von zu Hause: alte Kinderbücher, Anders And, „Alfred Hitchcock og De tre Detektiver“, und Bücher aus dem Studium. Auf dem Tisch lagen sie nach Sprachen sortiert, Dänisch, Deutsch, Englisch. Auf der roten Kiste ein handgeschriebenes Schild: „Deutsche Bücher“.
Man kann den IT-Menschen auf einen Flohmarkt stellen, aber man kriegt das System nicht vom Tisch.
Die Vase für 5.000 DKK
Unsere Preise waren schamlos billig. Das meiste kostete zehn Kronen, Zettel drauf, fertig. Feilschen wollten wir nicht, wir wollten die Sachen los sein. Die Alternative war Tonne oder Genbrug.
Nur die Vase fiel aus der Reihe. Chinesisches Dekor, Goldrand, Verzeihung an die Familie: eher gut gemeint als schön. Wir haben sie zum Spaß mit 5.000 Kronen ausgezeichnet.
Gegen Mittag haben wir den Preis auf 3.500 gesenkt. Durchgestrichen, neues Schild.
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Niemand hat nachgefragt. Niemand hat gelacht. Die Leute gingen vorbei, als wäre das ein normaler Preis für eine normale Vase.
Verkauft haben wir sie nicht. Schade, der Erlös war intern schon verplant: Essen mit Søren und Sussi.
Neben uns: Familie
Søren, Janes Cousin, stand mit Sussi direkt neben uns. Die beiden haben ebenfalls ein Sommerhaus in Sønderho.
Verkauft sich’s so besser? Na sicher. Und auch Verpflegung stimmte: Søren und Sussi hatten Slik dabei, Jane den Tee. Dazwischen hyggesnak om børn og alting. Warten können muss man auf so einem Markt sowieso, das sagt einem vorher nur niemand.
800 Kronen später
Am Ende standen 800 Kronen in der Kasse, und im Auto war deutlich mehr Platz. Sogar die beiden Rollwagen, auf denen die Bücher lagen, sind verkauft.
Reich wird man so nicht. Darum ging es auch nicht.
Das Geld wird ins Haus investiert: Farbe für die Terrasse. So sorgen die Schätze aus den Schränken mit dafür, dass das Haus von Janes Eltern gut dasteht.
Was übrig blieb, bringen wir zum Genbrug.
Loppemarked auf Fanø: Sønderho, Nordby, Rindby
Der Loppemarked in Sønderho findet im Sommer sonntags ab 10:30 an der alten Schule (Gl. Skole) in Sønderho statt, Verkäufer bauen ab 9 Uhr auf. Wer nicht sonntags kann: In Nordby ist samstags Loppemarked, in Rindby freitags. Die aktuellen Termine stehen im Veranstaltungskalender.
Kaufen kann man immer etwas. Verkaufen auch, spätestens wenn man ein Haus mit vollen Schränken übernimmt.
Unser Schrank ist übrigens noch nicht leer. Aber er klappert jetzt anders.
Dänisch in diesem Beitrag
„Flohmarkt“ — dänischer Markt mit gebrauchten Dingen, Trödel und Fundstücken.
Mehr dazu
Loppemarked ist das dänische Wort für Flohmarkt (von loppe = Floh und marked = Markt). Auf Fanø werden Loppemarkeder oft von Vereinen, Gemeindehäusern (Forsamlingshus) oder Kirchen organisiert — man stöbert zwischen Gebrauchtem, Büchern und Handgemachtem. Besonders im Sommer ein beliebter Treffpunkt.
Übrigens — wir vermieten ein Ferienhaus in Sønderho auf Fanø, falls du länger bleiben möchtest.
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